Mean Moms von Emma Rosenblum: Satire oder Klischee?

Aug. 15, 2026 | Literatur | 0 Kommentare

Written by Ginny

August 15, 2026

Mean Moms von Emma Rosenblum: Satire oder Klischee?

Aug. 15, 2026 | Literatur | 0 Kommentare

Written by Ginny

August 15, 2026

In Mean Moms von Emma Rosenblum geht es um eine Gruppe überheblicher Mütter in New York City, die alles haben, was man sich erträumen kann: Geld, Ansehen und Plätze für ihre Sprösslinge an der prominenten Atherton Academy. Sie sind bereit, alles dafür zu tun, ihren Ruf und Status aufrecht zu erhalten – womöglich sogar andere zu sabotieren? Ein Thriller über die Reichen und Schönen in einer der glamourösesten Städte der Welt. Das habe ich zumindest erwartet. Bekommen habe ich eine langatmige und unoriginelle Story voller klischeebehafteter Charaktere und eine lieblose Ausführung. Deshalb folgen hier 4 (einhalb) Gründe, warum ich finde, dass Mean Moms mehr verspricht, als es tatsächlich hält.

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag zur Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Das beeinflusst in keinster Weise meine Meinung oder Gefühle zum Gelesenen. Alles, was ich schreibe, entspricht meinem persönlichen Empfinden.

Mean Moms – Buchdetails

  • Autorin: Emma Rosenblum
  • Übersetzung: Carolin Müller
  • Thriller | Suspense
  • 368 Seiten
  • Erschienen: 13.05.2026
  • Verlag: C.Bertelsmann

Grund 1: Das übertriebene Namen- & Labeldropping

Wenn ihr das Buch lest, macht euch bereit für gefühlte 366 Seiten Labeldropping: “ein cremefarbenes Seidenminikleid von Khaite […] und Mary Janes mit Polka-Dots von Monolo Blahnik.”; “trug ihre Lieblingssneaker von Loewe”; “Sie griff in ihre Handtasche, eine elegante grüne Bottega Bucket Bag. In der Seidentasche lag neben ihrem Chanel-Lippenstift ein schmaler, blauer Behälter […].” Anfangs dachte ich noch, das sei ein Mittel der Autorin, um überspitzt den Irrsinn der Zurschaustellung von Geld durch Markenklamotten darzustellen, doch es blieb einfach die ganze Zeit hinweg so, dass die Outfits der Charaktere – und ich meine alle Charaktere, auch die kleinen, unwichtigen Nebencharaktere – so detailliert beschrieben werden. Handwerklich ist das für mich leider super schlecht gemacht, da es keineswegs die gewünschte Atmosphäre erzeugt. Es wird versucht zu vermitteln, dass die Mütter auf Luxus stehen und extrem viel Wert auf Außenwahrnehmung legen, aber durch das ständige Namedropping wirkte es auf mich ehrlicherweise eher so, als würde die Autorin beweisen wollen, wie viele Marken sie kennt. Im Verlauf der Geschichte hat es mich zunehmend genervt, weil es wirklich gar nicht mehr aufhörte und für mich eben gar keine Stimmung aufkam.

Grund 2: Ein Klischee jagt das nächste

In der Story gibt es drei Freundinnen – Frost, Morgan und Belle – deren Kinder auf die Atherton Academy gehen. Zu Beginn des neuen Schuljahrs stößt nun eine neue Mutter zur Gruppe hinzu: Sofia Perez. Die Kapitel begleiten abwechselnd die vier Frauen und geben somit Einblicke in das Innenleben der Charaktere. Aber ehrlicherweise lesen sich die Frauen alle gleich und man merkt kaum Tiefe bei den Figuren. Ich möchte gerne glauben, dass Frost, Morgan und Belle (und viele der Nebencharaktere) alle gleich wirken, um zu zeigen, dass die New Yorker Socialites alle langweiliger Einheitsbrei sind – aber ehrlicherweise bin ich mir da nicht so sicher. Die einzige Exotin ist natürlich Sofia Perez, die Kolumbianerin, deren Familie in der Heimat natürlich ein schweres Leben mit Drogen und Kriminalität führten, weshalb die gute Sofia glücklich darüber ist, in den USA nun ein besseres (und luxuriöseres!) Leben zu führen. Natürlich gefangen in einer lieblosen Ehe mit einem viel älteren Mann. Und sie trägt immer knappe Kleidung und High Heels. Nach zwei Sätzen habe ich an die Rolle der Gloria in Modern Family gedacht und von da an hatte ich dieses Bild im Kopf. Die Autorin hat hiermit eine so unglaublich klischeehafte Figur geschaffen, dass ich nur noch mit den Augen rollen konnte.

Grund 3: Farblose Charaktere in Mean Moms

Die blassen Hauptcharaktere werden überdies noch begleitet von unzähligen Nebencharakteren, die ebenfalls wenig bis gar nicht ausgearbeitet sind und deren Daseinsberechtigung in der Geschichte sich mir beim Lesen teilweise nicht erschließ. Ähnlich wie bei den Markennamen war es auch hier ein gefühlt endloses Namedropping an Charakteren, die in wenigen Sätzen eingeführt und zu denen plump Backgroundinfos gedroppt wurden. Es hat mich schlichtweg nicht interessiert, denn, surprise surpise: Die Handlung ging auch überhaupt nicht voran, weshalb mir die Charaktere auch einfach alle egal waren.

Grund 3 einhalb: … die auch noch schlecht skizziert sind 🫣

Beim Lesen hat mich dieses Buch teilweise an mir selbst zweifeln lassen: Übersehe ich was? Bin ich vielleicht einfach nicht schlau genug, um das große Ganze oder den Stil der Autorin zu erkennen? Aber eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass in diesem Thriller vermeintlich so viel mehr steckt, das ich übersehe. Ein Punkt, der mich auf jeden Fall auch richtig aufgeregt hat, ist die schlechte Konstruktion der Charaktere. So wird beispielsweise beschrieben, wie die sonst so sportliche Morgan seit der Perimenopause an Fettpolstern zugelegt hatte, die sie durch jegliches Training nicht loswird. Zwei Seiten später heißt es dann allerdings, dass Morgan so fit und in einer Shape sei, wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Solche Konstruktionsfehler passieren im Verlauf der Geschichte immer wieder und haben mich einfach gestört.

„Ich verstehe diese Frauen einfach nicht. Sie haben alles, was man sich vorstellen kann – gesunde Kinder, Unmengen Geld, Ehemänner, die sie lieben. Und trotzdem sind sie unglücklich.“

Grund 4: Der Spannungsbogen ist eine Linie

Ich bin ehrlich: Wenn es um Thriller und Krimis geht, dann kann ich ziemlich viel verzeihen. Handlungsaufbau nach altbewährten Mustern? Von mir aus. Klischeehafte Charaktere? Geschenkt. Aber was ich nicht verzeihe: wenn einfach nichts passiert. Die Story erstreckt sich über drei Jahreszeiten (drei!!) und alles, was wir erleben sind ein paar “wilde” Partys, deren Deko und Kostüme unnötig detailliert beschrieben werden, und ein paar seltsame Vorfälle. Es zieht sich wie ein fades Kaugummi, ohne das ein Spannungsbogen aufgebaut wird. Die vermeintliche Eskalation am Ende ist komplett witzlos und die Auflösung wird teilweise als Rückblick erzählt. Ich habe selten so eine underwhelming Story gelesen.

Mein Fazit zu Mean Moms von Emma Rosenblum

Ich habe mir einen prickelnden Sommer-Thriller gewünscht, der mich in die Straßen von NYC entführt und mir die Abgründe der New Yorker High Society offenbart. Als Liebhaberin des Big Apple, die unzählige Male dort war, erhoffte ich mir, beim Lesen die Atmosphäre der Stadt zu spüren. Aber Fehlanzeige: Natürlich wurden hier und da Straßennamen und Locations erwähnt, ohne jedoch wirklich eine Kulisse zu erzeugen. Meiner Meinung nach hätte das Buch sonst auch in jeder anderen Großstadt spielen können.

Übrigens: Mich würde interessieren, warum der Verlag sich bei der deutschen Übersetzung für dieses Cover entschieden hat. Es vermittelt eine sommerliche Lektüre (zu sehen ist eine Frau mit Sonnenhut am Pool, eine Liege, ein Sonnenschirm) – allerdings ist Sommer tatsächlich die einzige Jahreszeit, in der das Buch nicht spielt. Es ist schon beinahe irrwitzig. 😅


Related Articles

Related

Get in touch

Join

Hello there

Du hast Fragen, Anmerkungen oder Anregungen, die du gerne mitteilen möchtest? Dann lass doch gerne einen Kommentar da. Oder nimm gern Kontakt auf – ob über das Kontaktformular, per Mail oder via Social.