Magie & Monster: Rezension zu Nächte einer Hexe von Genoveva Dimowa

März 3, 2026 | Literatur | 0 Kommentare

Written by Ginny

März 3, 2026

Magie & Monster: Rezension zu Nächte einer Hexe von Genoveva Dimowa

März 3, 2026 | Literatur | 0 Kommentare

Written by Ginny

März 3, 2026

Mit Nächte einer Hexe von Genoveva Dimowa kehren wir zurück nach Chernograd (und Belograd), wo wir wieder auf alte Bekannte aus dem ersten Band Tage einer Hexe treffen. Gemeinsam mit Hexe Kosara und Asen, dem verschlossenen Polizisten, begeben wir uns auch in diesem zweiten und finalen Teil der Dilogie auf ein gefährliches Abenteuer in die Welt der Magie, Monster und kriminellen Unterwelt. Nachdem mich Tage einer Hexe vergangenes Jahr unglaublich begeistern konnte, war ich voller Vorfreude auf das Finale und hatte entsprechend extrem hohe Erwartungen – doch ob diese letztlich erfüllt wurden?

Achtung: Zweiter Band einer Reihe

Die nachfolgende Rezension enthält höchstwahrscheinlich Spoiler zum ersten Band Tage einer Hexe. Wenn du das nicht riskieren möchtest, lies nur das Fazit am Ende.

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag zur Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Das beeinflusst in keinster Weise meine Meinung oder Gefühle zum Gelesenen. Alles, was ich schreibe, entspricht meinem persönlichen Empfinden.

Welcome back to Chernograd

In Nächte einer Hexe knüpft die Handlung nur wenige Monate nach den Geschehnissen des ersten Bandes an. Die Mauer, die Chernograd und Belograd einst trennte, ist offen und für alle Bewohner*innen beider Städte passierbar. Der Zmey ist besiegt. Eigentlich sollte das für alle Grund zur Freude sein, doch Hexe Kosara ist mürrisch und eigen wie eh und je, denn sie spürt, dass etwas nicht stimmt. Und als vermutlich mächtigste Hexe der Stadt, die neben ihrem eigenen Schatten nun auch 12 weitere Schatten beherbergt, sollte niemand ihr Bauchgefühl unterschätzen, wie wir schon bald erfahren. Die Geschichte beginnt direkt mit zwei mysteriösen Mordfällen: Eine von Kosaras Hexenkolleginnen wird enthauptet in ihrem Haus in Chernograd aufgefunden. Währenddessen ermittelt Asen in Belograd an einem Tatort mit einem ähnlich grausigen Fund. Nicht lange, bis sich die Wege der beiden erneut kreuzen und die Ermittlungen in die gleiche Richtung laufen. Der Hauptverdächtige: Konstantin Karaiwanow, berüchtigter Schmuggler und Krimineller. Wie wir aus Tage einer Hexe wissen, haben sowohl Asen als auch Kosara noch Rechnungen mit Karaiwanow offen.

“Ich weiß, ich bin keine Hexe, aber mit Mord kenne ich mich aus. Außerdem glaube ich, dass du recht hast. Es hängt alles zusammen: der Mratinyak, Karaiwanows geheime Auktionen, Sokol und Vrana, die hier gefangen wurden, der Riss zwischen unserem Reich und dem der Monster.”
– Asen, S. 140

Erzähltempo und Charaktere

Wie auch beim ersten Band, war ich von Anfang an von der Geschichte gefesselt. Durch die beiden Morde und weitere seltsame Vorkommnisse hat man als Leser*in direkt viele Mysterien und Rätsel vor sich, die gelöst werden wollen. Die Handlung nimmt ab Kapitel eins Fahrt auf und flacht zu keinem Zeitpunkt ab; das Erzähltempo ist zügig, sodass eigentlich nie Langeweile aufkommt. Kosara und Asen haben kaum eine Verschnaufpause, sondern suchen unentwegt nach Lösungen, während sie gleichzeitig versuchen, anderen Charakteren und Monstern zu helfen. Ich habe auch hier wieder geliebt, dass wir Wesen fernab des euro-/us-zentrierten Mainstreams kennenlernen, die in der slawischen Folklore zu Hause sind. Mir ist ein bisschen das Herz aufgegangen, als Kosaras Ausbilderin Vila mit ihrem Haus auf Hühnerbeinen anmarschiert kam – Baba-Yaga-Liebe ❤️

Bonus! 

Monster. Ein praktischer Leitfaden ist wie ein kleines Handbuch im Anhang. Super praktisch, um noch mal Wissen aufzufrischen, etwas tiefer ins Detail zu gehen und mehr über die verschiedenen Monster zu erfahren, die über das in der Geschichte erwähnte hinausgehen.

Korruption, Klassengesellschaft und Fremdenhass – politische Nuancen in Nächte einer Hexe

Bereits bei Tage einer Hexe sollte man als Leser*in gemerkt haben, dass in dieser Fantasy-Dilogie ein kritischer Kommentar zur weltpolitischen Lage steckt. Hier wird das Ganze nun noch weitergeführt: Die gute Stadt aka. die “weiße Stadt” (Belograd) und die dreckige Stadt aka. die “schwarze Stadt” (Chernograd) sind nicht länger durch eine undurchdringbare Mauer getrennt. Menschen der vermeintlich unteren Schichten haben so nun Zugang zu den Annehmlichkeiten in Belograd, was einigen Bewohner*innen dort nicht sonderlich gefällt. Diese Abneigung gegenüber den Fremden machen sich auch die Politiker*innen zunutze und setzen gezielt Propaganda und Täuschungsmanöver ein, um das Volk in Belograd gegen die Nachbarn in Chernograd aufzubringen.

”Aber wir alle sind es leid, fremde Mäuler zu stopfen und unser hart verdientes Geld in fremde Hände zu geben, die trotzdem immer weiterbetteln. Es ist Zeit, dass wir sagen: Es reicht! Es ist Zeit, dass […] die Mauer wieder zur Mauer wird!”
– Maria Hajieva, S. 160

Dass Bürgermeisterin Hajieva dabei verdeckte Absichten zu ihrem persönlichen Nutzen verfolgt, die eng mit den Machenschaften des organisierten Verbrechens verknüpft sind, wird schnell deutlich. Mir persönlich gefallen diese politischen und sozialkritischen Ebenen, da sie die Geschichte noch realistischer machen.

Fazit: Meine Meinung zu Nächte einer Hexe

Mir hat auch dieser finale Band der Dilogie sehr gut gefallen und ich wurde in meinen sehr hohen Erwartungen nicht enttäuscht. Zugegeben, den ersten Band fand ich persönlich noch ein bisschen besser, aber dennoch habe ich mich hier sehr gut unterhalten gefühlt. Meine einzige Kritik ist, wie auch bei Tage einer Hexe, das Erzähltempo: Vieles wirkt sehr gehetzt, die Charaktere sind ständig unterwegs und mir persönlich hätten ein paar ruhigere Momente mit den Personen gefallen, um dem Ganzen noch eine tiefere Ebene zu verleihen. Kosara ist nach wie vor eine eigensinnige, sture Persönlichkeit, die sicherlich nicht für alle Geschmäcker etwas ist – und ehrlicherweise gab es in diesem Teil auch ein paar Szenen an denen ich sie ein wenig nervig fand – aber ihre ganze bisherige Lebensgeschichte ist die Erklärung dafür, warum sie eigenbrötlerisch und verschlossen ist. Dementsprechend ist das eigentlich auch nur authentisch. Asen war wieder mal einfach 🫶 Das Ende hat mich sehr zufrieden zurückgelassen, denn ich finde, dass das ein sehr schöner Abschluss ist, der vieles auflöst und dennoch Raum für Mögliches offen lässt.

Related Articles

Related

Get in touch

Join

Hello there

Du hast Fragen, Anmerkungen oder Anregungen, die du gerne mitteilen möchtest? Dann lass doch gerne einen Kommentar da. Oder nimm gern Kontakt auf – ob über das Kontaktformular, per Mail oder via Social.